Auf neun Routen durch das „Energieeffiziente Darmstadt“

5. Oktober 2017

Exklusiv bei Darmstadt im Herzen: wir stellen Euch monatlich eine Route aus dem Stadtführer  vor

Die Wissenschaftsstadt Darmstadt ist in jeder Hinsicht eine grüne Stadt. Dies beginnt bereits beim bloßen Blick auf die Stadtkarte und setzt sich nahtlos bei einem Spaziergang durch die vielen Grünanlagen, Parks und Waldflächen fort. Ökologische und energieeffiziente Projekte und nachhaltige Themen haben eine lange Tradition. Isolde Nees vom Weststadtverlag hat gemeinsam mit dem Umweltamt der Wissensschaftsstadt Darmstadt genau dieses genauer betrachtet und einen Stadtführer mit neun Routen durch das   „Energieeffiziente Darmstadt“ entwickelt. 

Heute:  Route 2 Westliche Stadtmitte

(Startpunkt Geokoordinaten: 49.867598,8.652438)

Wir beginnen den Spaziergang auf dem Wilhelminenplatz. Vor uns steht das Alice-Denkmal (Ludwig Habich, 1902), das zu Ehren der Großherzogin Alice errichtet wurde. Den Obelisk tragen vier allegorische Frauengestalten – Freundschaft, Liebe, Glück, Harmonie. Der Platz wird beherrscht von dem klassizistischen Kuppelbau der St. Ludwigskirche, die Georg Moller 1822-27 errichtete. Vorbild der Ludwigskirche war das römische Pantheon, dessen Proportionen Moller bei um 1/5 verminderten Gesamtmaßen übernommen hat. In dem beeindruckenden Sakralraum im Inneren tragen 28 korinthische Säulen eine Kuppel von 33m Durchmesser. Im Hoch Chor ist ein Engelmosaik zu sehen (C. Schrack-Braun, 1960).

Innenstadtkirche St. Ludwig ©Darmstadt Marketing, Agnes Allig
Staatstheater Darmstadt ©Darmstadt Marketing, Agnes Allig

Rechts in der Anlage, die mit Rasen, Platten, pilzartigen Weißbeton-Schirmen und niedrigen, geschwungenen Mauern gestaltet ist, sehen wir den Grande Disco, eine Bronze-Skulptur (Arnaldo Pomodoro, 1968). Wir gelangen zum Staatstheater (Rolf Prange, 1972). In dem mächtigen Komplex wurde bei seiner Renovierung 2005-07 neben dem Großen Haus, dem Kleinen Haus und der Werkstattbühne, mit den Kammerspielen ein zusätzlicher Aufführungsraum geschaffen.

Unmittelbar neben dem Staatstheater befindet sich das Georg-Moller-Haus. Von dem 1818 von Moller für die Freimaurervereinigung errichteten Saalbau blieb nur der Portikus von den Kriegsbomben verschont und dem 1966 errichteten Tagungsbau vorgeblendet. Heute nutzen Gruppen aktiver Theaterschaffender das Haus als gemeinsame Spielstätte. Das Georg-Moller-Haus ist einer der wichtigsten  Kulturstandorte  im städtischen Besitz.

Entlang der Wilhelminenstraße und der Grafenstraße gehen wir nordwärts und befinden uns nun in der ‚Mollerstadt‘. Die westliche Neustadt hatte Ludewig I. anlegen lassen, um der jungen großherzoglichen Residenz mehr Möglichkeiten der Entfaltung zu geben. Er berief aus Karlsruhe Georg Moller, dessen Stadtentwurf das streng geometrische, axiale Planungssystem des Barock durch ein klassizistisches Raster voller Spannung und ausgewogener Asymmetrie ersetzte. Diese westliche Innenstadt – der Bereich zwischen Landgraf-Philipps-Anlage, Hügelstraße, Grafenstraße und Bleichstraße – wurde Ende des 2. Weltkrieges vollständig zerstört. Der Wiederaufbau erfolgte in den 50er Jahren. Im Dezember 2013 beschloss der Magistrat ein ‚integriertes Quartierskonzept zur energetischen Stadtsanierung Mollerstadt‘. Ziel des Konzeptes ist es, die CO2-Emissionen aus dem Quartier heraus zu reduzieren. Dazu wurde ein Maßnahmenkatalog erarbeitet, der die Handlungsfelder energetische Sanierung von Gebäuden, Klimaanpassung durch Begrünung, klimafreundliche Mobilität und Nutzersensibilisierung umfasst.

Die stark sanierungsbedürftige Grafenstraße ist heute eine vom fahrenden Verkehr dominierte Erschließungs- und Geschäftsstraße. Stadthaus, zahlreiche Läden, Restaurants, Cafés und Arztpraxen sorgen darüber hinaus für eine hohe Frequenz von Fußgängern und Radfahrern. Die Belebtheit der Straße führt mitunter zu kritischen Situationen zwischen Kraftfahrzeugverkehr, Radverkehr sowie Passantinnen und Passanten. Die Grafenstraße soll deshalb im Rahmen der Sanierung Mollerstadt in Kooperation mit dem Stadtplanungsamt, dem Straßenverkehrs- und Tiefbauamt, dem Immobilienmanagement Darmstadt (IDA) sowie dem Grünflächenamt insbesondere für die schwächeren Verkehrsteilnehmer neu geordnet werden.

Wir biegen ein in die Rheinstraße, die wir westwärts wandern. Wir sehen rechts das Literaturhaus, in dem literarische und kulturelle Vereinigungen ihren Sitz haben. Auf der linken Seite befindet sich das Passivhaus-Institut. Einige Schritte weiter kommen wir zur Kunsthalle (T. Pabst, 1956), in der von dem traditionsreichen 1833 gegründeten Kunstverein wechselnde Ausstellungen gezeigt werden. Davor sehen wir das hier aufgestellte Rheintor, das Mitte des 19. Jahrhunderts den Eingang zur Mollerstadt bildete. Auf der linken Straßenseite hat die Handwerkskammer Rhein-Main ihren Sitz. Seit Anfang der 1970er Jahre unterhält die Handwerkskammer in Weiterstadt ein Berufsbildungs- und Technologiezentrum. Das Gebäude wurde 2008 energetisch saniert. Angeschlossen an die Handwerkskammer in der Rheinstraße befindet sich die Effizienz Klasse, ein Netzwerk aus unabhängigen Experten, das bei allen Fragen rund um effizientes Bauen und Modernisieren kompetent zur Seite steht.

Rheintor Kunsthalle_Nikolaus Heiss
IWU Haus Rheinstraße_Institut Wohnen und Umwelt

Von hier aus ein Stück weiter gelangen wir zur Albert Schweitzer Anlage. Die kleine Parkanlage entstand im 19. Jahrhundert. Dort ist das Wilhelm-Haas-Denkmal aufgestellt, das 1924 für den Sozialreformer errichtet wurde. Die Rheinstraße entlang reihen sich mehrere bedeutende Institutionen. Zunächst erreichen wir das Institut Wohnen und Umwelt IWU, dessen Bürogebäude 2011 auf Basis des Passivhausstandards modernisiert wurdeIn der Rheinstraße Nr. 89 befindet sich das Gebäude der Industrie- und Handelskammer IHK. Hier ist das Netzwerk ETA Plus angesiedelt. Unter dem Motto ‚Energieeffizienz gemeinsam steigern – Kosten senken‘ haben sich um die 30 Unternehmen zusammengeschlossen.  Ein kurzes Stück weiter erreichen wir das Öko-Institut.

Von der Rheinstraße biegen wir in die Berliner Allee und spazieren weiter bis zur Holzhofallee. Direkt an der Kreuzung treffen wir auf das „Haus der Energie“ der Hochschule Darmstadt. In dem Gebäude lehren und forschen Spezialistinnen und Spezialisten des Fachbereichs Wirtschaft  sowie des Fachbereichs Elektrotechnik und Informationstechnik interdisziplinär in Themengebieten wie Energiewirtschaft, Energieeffizienz, Intelligente Gebäude und Elektromobilität. Mit dem „Haus der Energie“ wurde ein Ort des Austausches und der Kooperation geschaffen. Die interdisziplinäre Zusammenarbeit und starke Vernetzung ermöglicht, neue Studiengänge anzubieten, deren Absolventinnen und Absolventen für die Umsetzung der Energiewende dringend gebraucht werden. Davon profitieren vor allem auch die gemeinsamen Studiengänge „Energiewirtschaft“ und „Gebäudesystemtechnik“.

Stadtplan Route 2

Und in der nächsten Ausgabe zeigen wir euch:

Route 3 – Der Westen

Vom Rechenzentrum DARZ, vorbei an Evonik bis zum Haus der Industriekultur. Weiter zum Hauptbahnhof, dann zur Entega, danach ins Europaviertel bis zum Esoc und dem neuen TÜV-Gebäude. Über die Eifelringbrücke zur Telekom-City, vorbei an Eumetsat und enlang am Waldrand bis zum neuen Alnatura-Domizil.

Alle Routen, nützliche Zusatzinfos und Details zu einzelnen Projekte gibt es hier:

Stadtführer „Energieeffizientes Darmstadt“

Energieeffizientes Darmstadt, Weststadt Verlag

Herausgeber: Umweltamt der Wissenschaftsstadt Darmstadt, Weststadt Verlag

Der Stadtführer ist im Darmstadt-Shop auf dem Luisenplatz sowie in der RMV-Zentrale vor dem Hauptbahnhof erhältlich und kann über den Buchhandel bestellt werden.

ISBN 978-3-940179-30-2, VKP 9,95 €

Copyright:
© 2017 Weststadtverlag, Isolde Nees
Bildnachweis:
Karte: Stadtkartographie Darmstadt / Vermessungsamt
Innenstadtkirche St. Ludwig: Darmstadt Marketing, Agnes Allig
Staatstheater Darmstadt: Darmstadt Marketing, Agnes Allig
Rheintor Kunsthalle: Nikolaus Heiss
Haus IWU Rheinstraße: Institut Wohnen und Umwelt

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