Auf neun Routen durch das „Energieeffiziente Darmstadt“

2. Mai 2018

Exklusiv bei Darmstadt im Herzen: wir stellen Euch monatlich eine Route aus dem Stadtführer  vor

Die Wissenschaftsstadt Darmstadt ist in jeder Hinsicht eine grüne Stadt. Dies beginnt bereits beim bloßen Blick auf die Stadtkarte und setzt sich nahtlos bei einem Spaziergang durch die vielen Grünanlagen, Parks und Waldflächen fort. Ökologische und energieeffiziente Projekte und nachhaltige Themen haben eine lange Tradition. Isolde Nees vom Weststadtverlag hat gemeinsam mit dem Umweltamt der Wissensschaftsstadt Darmstadt genau dieses genauer betrachtet und einen Stadtführer mit neun Routen durch das   „Energieeffiziente Darmstadt“ entwickelt. 

Heute: Route 6 – Zur Lichtwiese und zum Ostwaldrand

(Startpunkt Geokoordinaten: 49.869953, 8.680204)

An der Heinrichstraße liegt der Eingang zum vom Darmbach durchflossenen Botanischen Garten. Seine hundertjährigen exotischen Bäume und die verschlungenen Wege machen den Reiz der Anlage aus. Der Gehölzkatalog zählt über 1200 Arten, Varietäten und Sorten auf. In den Gewächshäusern befinden sich Pflanzen subtropischer und tropischer Gebiete.

Am Eingang zum Fachbereich Biologie wurde das ‚mobi-Office‘, ein Holzrahmenbau errichtet, der bei Bedarf komplett abgebaut und an anderer Stelle neu aufgebaut werden kann.

Wir überqueren die Heinrichstraße und kommen zum Vivarium, dem Darmstädter Zoo, der 1965 als lebendiges Lehrbuch für Schulkinder angelegt wurde. Der Garten ist 5 ha groß und beherbergt Tiere aus allen Teilen der Erde. Zu den Freigehegen kommen ein Aquarienhaus, ein Terrarien Haus, ein Affenhaus, ein Stelzvogelhaus und ein Afrikahaus. 2012 wurde im Vivarium ein Blockheizkraftwerk installiert, das dazu beiträgt die Co2 Emissionen zu verringern und die Energiekosten zu senken.

Entlang der Petersenstraße gelangen wir zur Lichtwiese, dem ehemaligen Flugplatz, wo seit den 1960er Jahren mehrere Institutsgebäude der Technischen Hochschule Darmstadt entstanden sind. Von 2009 bis 2011 wurde die Mensa am Standort Lichtwiese umgebaut und energetisch ertüchtigt. So wurde auch die Pyramide über dem Treppenaufgang abgebrochen und durch ein flach geneigtes Glasdach ersetzt. 2001 wurde das Blockheizkraftwerk errichtet. Es versorgt die TU Darmstadt mit Energie und Heizwärme und ist an deren Fernwärmenetz angeschlossen.

 In der El-Lissitzky-Straße stehen die Solar Decathlon Häuser, die 2007 und 2009 von Studenten entworfen und gebaut worden sind. Das Gebäude von 2007 nahm teil an einem prestigeträchtigen Bauwettbewerb in den USA und konnte die Washington Mall als Gesamtsieger verlassen. Nach Rückkehr aus den USA wurde das Haus zunächst 2008 auf der Baumesse DEUBAU in Essen aufgebaut und präsentiert. Danach wurde es in Stuttgart vorgestellt und kehrte schließlich wieder nach Darmstadt zurück. Dort ist es fest installiert und wird als Wohnraum genutzt. 2014-2015 entstand auf der Lichtwiese die ETA-Fabrik, ein Energieeffizienz-, Technologie- und Anwendungszentrum. Ebenfalls auf der Lichtwiese, in der Franziska-Braun-Straße befindet sich die ENTEGA Steag Wärme GmbH, die die Universität mit Energie versorgt.

Am Waldrand entlang erreichen wir das Böllenfalltor. Ein Stück die Nieder-Ramstädter-Straße nach rechts liegt das Merck-Stadion. Nach dem 2. Weltkrieg wurden die ursprünglichen Sportanlagen ausgebaut, es wurde eine Sporthalle errichtet und seit den 1970er Jahren gibt es zusätzlich ein Stadion für 23 000 Zuschauer mit überdachter Sitztribüne. Hier spielt der Fußballverein SV 98, der 1898 gegründet wurde und zu den ältesten Vereinen in der deutschen Fußball-Landschaft gehört. Seit 2015 spielt der Verein wieder in der Bundesliga.

Wir machen einen Abstecher ins Mühltal und sehen uns in Trautheim im Birkenweg ein in Hanglage in den 1970er Jahren errichtetes Einfamilienhaus an, dass nun zu einem klimaneutralen Gebäude umgewandelt wurde. Das Energy Plus Home ist emissionsfrei und erzeugt mehr Energie, als es verbraucht.

Vom Böllenfalltor aus – genannt nach einem von mehreren Falltorhäusern, die ehemals den Eingang in den landgräflichen Wildpark sicherten (Böllen = Pappeln) – betreten wir den Stadtwald und wandern den Waldweg entlang bis zur malerischen Felsengruppe auf dem Herrgottsberg. Hierhin zog es auch schon vor mehr als 200 Jahren den Kreis der Empfindsamen, der sich um die Große Landgräfin Karoline geschart hatte. Weiter geht es zur Ludwigshöhe mit dem Ludwigshöhturm von 1882. Von seiner Plattform aus genießt man einen prachtvollen Rundblick über Stadt, Odenwald, Bergstraße und Rheinebene. Ein Platz für Hobbyastronomen ist das Observatorium. Hier beginnt der Planetenweg, auf dem man  den riesigen Entfernungen innerhalb unseres Sonnensystems, den unvorstellbaren Zeitdimensionen und der Faszination ferner Himmelskörper nachspüren kann. Auf 11 Informationstafeln wird astronomisches Wissen vermittelt.

Die Ludwigshöhe erwandern wir auf dem Internationalen Waldkunstpfad. An den Wegen und im bewaldeten Umfeld sind Dutzende Kunstwerke verstreut, hinterlassen von Künstlern aus aller Herren Länder. Für die Freiluftgalerie verantwortlich zeichnet der 2002 gegründete Verein Waldkunstpfad, der beseelt ist vom Ziel, „die künstlerische Auseinandersetzung mit dem Naturstandort Wald“ zu fördern. Um das einzulösen, lädt Kuratorin Ute Ritschel alle zwei Jahre Künstler zu einem dreiwöchigen Symposium unter wechselndem Motto ein, wo jeder – in Abstimmung und mit Hilfe des Forstamts Darmstadt – seine Waldkunst-Vision realisieren kann, vorzugsweise mit vor Ort vorgefundenen Materialien.

Und in der nächsten Ausgabe zeigen wir euch:

Route 7 – Der Norden, Arheilgen und Wixhausen

Im Norden befindet sich direkt am Bürgerpark Nord die Waldspirale. Von dort geht es weiter die Frankfurter Landstraße entlang nach Arheilgen und hier ein Abstecher auf der Messeler Straße bis zum Eisenbahnmuseum. Dann weiter in Richtung Norden nach Wixhausen.

Alle Routen, nützliche Zusatzinfos und Details zu einzelnen Projekte gibt es hier:

Stadtführer „Energieeffizientes Darmstadt“

Herausgeber: Umweltamt der Wissenschaftsstadt Darmstadt, Weststadt Verlag

Der Stadtführer ist im Darmstadt-Shop auf dem Luisenplatz sowie in der RMV-Zentrale vor dem Hauptbahnhof erhältlich und kann über den Buchhandel bestellt werden.

ISBN 978-3-940179-30-2, VKP 9,95 €

Copyright:
© 2017 Weststadtverlag, Isolde Nees
Bildnachweis:
Karte: Stadtkartographie Darmstadt / Vermessungsamt
Bot. Garten, Systematische Abteilung – Herz eines BG: Stefan Schneckenburger
Ludwigshöhe: Wissenschaftsstadt Darmstadt, Ulrich Mathias

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