Auf neun Routen durch das „Energieeffiziente Darmstadt“

21. März 2018

Exklusiv bei Darmstadt im Herzen: wir stellen Euch monatlich eine Route aus dem Stadtführer  vor

Die Wissenschaftsstadt Darmstadt ist in jeder Hinsicht eine grüne Stadt. Dies beginnt bereits beim bloßen Blick auf die Stadtkarte und setzt sich nahtlos bei einem Spaziergang durch die vielen Grünanlagen, Parks und Waldflächen fort. Ökologische und energieeffiziente Projekte und nachhaltige Themen haben eine lange Tradition. Isolde Nees vom Weststadtverlag hat gemeinsam mit dem Umweltamt der Wissensschaftsstadt Darmstadt genau dieses genauer betrachtet und einen Stadtführer mit neun Routen durch das   „Energieeffiziente Darmstadt“ entwickelt. 

Heute:  Route 5 Der Osten

(Startpunkt Geokoordinaten: 49.572656,8.660265)

Unser Weg beginnt am  Mercksplatz und wir stehen vor dem Jugendstilbad (A. Buxbaum, 1907-09). Das Gebäude hatte im Krieg erhebliche Schäden erlitten. Unter der Regie der Denkmalpflege fanden eine umfassende Restaurierung und ein Umbau statt.

Ein Stück weiter entlang der Landgraf-Georg-Straße liegt die Rudolf-Müller-Anlage, eine kleine Parkanlage, durch die der Darmbach fließt und die bis zum Großen Woog führt. Dem kleinen Badesee, der 1567 als Wasserreservoir und Fischgewässer angelegt wurde.

Wir überqueren die Landgraf-Georg-Straße und erreichen die Fraunhoferstraße, wo sich im Fraunhofer-Institut für Graphische Datenverarbeitung das FabLab befindet. Hier können interessierte Personen neue Technologien der digitalen Fabrikation ausprobieren und mit ihnen experimentieren.

Wir kommen zur Pützerstraße und sehen bald rechter Hand das Ledigenwohnheim (E. Neufert, 1952-55), das in erster Linie für Alleinstehende und junge Ehepaare gedacht war. Das Gebäude gehört zu den fünf realisierten Meisterbauten und besticht durch die lebhafte Struktur der mit dunklen Hartbrandsteinen verblendeten Außenwände. Der helle Sichtbeton der Balkone bietet einen wirkungsvollen Kontrast.

Gleich neben dem Haus biegen wir rechts ein in die Erich-Ollenhauer-Promenade. Neben den beiden Sandsteinbrunnen (J. M. Olbrich, 1905) steht die anmutige weibliche Figur aus Muschelkalk Badende (B. Hoetger, 1911-12) auf dem Paula-Ludwig-Platz.

Wir gehen weiter hügelan. Hier, auf dem ehemaligen Weinberg entstand Anfang des 19. Jahrhunderts ein Landschaftspark, den Großherzog Ludwig III. für seine Gemahlin Mathilde hatte anlegen lassen. Ende des 19. Jahrhunderts erhielt der Park eine neue Bedeutung, die sich als Glücksfall für Darmstadt erweisen sollte. Großherzog Ernst-Ludwig hatte sich vorgenommen, der sich zu dieser Zeit in Europa entwickelnden modernen Kunst einen Ort zu geben, um sich zu präsentieren. Er fand die Mathildenhöhe geeignet.

Wir beginnen den Rundgang vor dem Eingang zum Hochzeitsturm, der 1907-08 errichtet wurde. Sein Architekt Joseph Maria Olbrich gliederte die Gestaltung in drei Abschnitte: den Sockel mit dem Eingangsportal, den mit dunkelroten Klinkern verputzten Turmkörper und die in Kupferblech ausgeführte fünfzinnige Turmbekrönung. Das Relief über dem Eingangsportal von Bildhauer Heinrich Jobst zeigt neben der Personifikation der vier Herrschertugenden Stärke, Weisheit, Gerechtigkeit und Milde, auch die Wappen des Großherzogs und der Großherzogin. Die Eingangshalle des Turms schmücken zwei Mosaikbilder von Kleukens (1914). Direkt angebaut an den Turm befindet sich das ebenfalls von Olbrich entworfene Ausstellungsgebäude. Es wurde 1908 für die Hessische Landesausstellung fertiggestellt.

Am Treppenabgang zum Alexandraweg sehen wir den 1914 von Albin Müller entworfenen Schwanentempel, der ursprünglich als Musikpavillon gedacht war.

Vom Hochzeitsturm aus gelangen wir in den Platanenhain, der bereits 1830 angelegt worden war. 1914 stattete der Bildhauer Bernhard Hoetger ihn mit Skulpturen und Reliefs aus und wählte als Thema den immerwährenden Kreislauf des Lebens. Er entwarf vier Reliefwände, denen er die Bezeichnungen Frühling, Sommer, Schlaf und Auferstehung verlieh und deren Inschriften aus der indischen Mystik stammen.

Zar Nikolaus II., der mit der Schwester von Großherzog Ernst Ludwig verheiratet war, ließ die Russische Kapelle Maria Magdalena (1897-99) von dem Petersburger Architekten Louis Benois erbauen.

Am Alexandraweg liegen die Wohngebäude der Künstler. Als einziges, nicht von Olbrich konzipiertes Wohnhaus, genießt das Haus Behrens eine Sonderstellung. Das in den 50er Jahren wieder aufgebaute Obergeschoss des einige Schritte weiter und gegenüberliegenden Hauses Olbrich hatte ehemals einen völlig anderen Formencharakter. Von der ursprünglichen Außenfassade sind lediglich der blau-weiße Kachelfries, das schmiedeeiserne Gartentor, einige Fenstergitter sowie die Begrenzungsmauer mit der Brunnenanlage erhalten geblieben. Den marmornen Wandbrunnen mit der Figur des trinkenden Jünglings schuf Ludwig Habich.

Das Ernst-Ludwig-Haus, nach Großherzog Ernst Ludwig benannt, wurde als Ateliergebäude mit großem Empfangsraum zur ersten Ausstellung der Künstlerkolonie 1901 fertig gestellt. Heute befindet sich im Inneren das Museum Künstlerkolonie, das einen Überblick über die Arbeit der Künstler zeigt.

Auf der Rückseite des Ausstellungsgebäudes gehen wir den Olbrich-Weg entlang, überqueren den Spessartring, folgen dem Weg über die Brücke und stehen vor dem Löwentor. Bereits 1810 ließ Großherzogin Wilhelmine auf dem östlich der Residenz gelegenen ‚Busenberg’ einen weitläufigen Landschaftsgarten im englischen Stil anlegen.

Wir stehen vor dem Löwentor, heute dem Haupttor zur Rosenhöhe. Das ehemalige Eingangsportal zur 4. Ausstellung auf der Mathildenhöhe (1914) war ein Gemeinschaftswerk von Albin Müller und Bernhard Hoetger. Wir wandern vorbei an den Häusern der Neuen Künstlerkolonie, die in den 1960er Jahren errichtet wurden und erreichen das Teehäuschen. Das kleine Gartenhaus gehört zur ursprünglichen biedermeierlichen Ausstattung des Parks aus dem frühen 19. Jahrhundert. Bald darauf kommen wir zu dem um 1820 gebauten klassizistischen Hofgärtnerhaus, das mit seiner Holzverschindelung einen ländlichen Charakter vermittelt. Wenige Schritte weiter erreichen wir die Gräber der großherzoglichen Familie, sowie das Neue Mausoleum (K. Hofmann, 1903-10) , dem das Grabmal der römischen Kaiserin Galla Placidia in Ravenna als Vorbild diente. Das Alte Mausoleum, einige Schritte entfernt, entstand 1826. In südlicher Richtung gelangen wir zum Rosarium, ein in den 1920er Jahren nach den künstlerischen Vorstellungen von Großherzog Ernst Ludwig gestalteter Garten. Ihm schwebte vor, den Charakter der üppigen Blütengärten Italiens mit den auf klaren Linien und Zuchtgewächsen ausgelegten Rosengärten Englands zu verbinden. Weiterhin ließ er den Rosendom, Terrassen, Gewächshäuser und Teiche anlegen.

Die Rosenhöhe geht über in das Oberfeld, eine von Landwirtschaft und Kleingärtnern genutzte Fläche und wir gelangen zum Edelsteinviertel. Das Neubaugebiet erstreckt sich zwischen Ostbahnhof und Hofgut Oberfeld entlang der Erbacher Straße.

In der Erbacher Straße erreichen wir das Hofgut Oberfeld, die ehemalige Hofmeierei, die um 1900 hierher verlegt worden war. Damals entstanden Wohnhäuser und Ställe. 2003 gründete sich die Initiative Domäne Oberfeld IDO und entwickelte ein Nutzungskonzept. Das Oberfeld sollte als Offenland und Frischluftschneise erhalten und als Naherholungsgebiet aufgewertet werden. Im Hofgut entstand ein Lernort Bauernhof mit dem Konzept, landwirtschaftliche und lebensmittelkundliche Zusammenhänge zu vermitteln.

Unweit entfernt stehen fünf Arbeiterhäuser. Drei davon waren ursprünglich zur 1908 auf der Mathildenhöhe durchgeführten Ausstellung errichtet und später in die Erbacher Straße verlegt worden (Architekten: Markwort und Seibert, Georg Metzendorf, Arthur Wienkoop, Karl Hofmann).

Vom Hofgut stadteinwärts kann man auf Höhe der Bushaltestelle „Hofgut Oberfeld“ die Straße überqueren und rechts in den Scheftheimer Weg einbiegen. Noch ein paar Meter und wir stehen vor dem Blumenfeld.  (Ab Mai bis Oktober)

Und in der nächsten Ausgabe zeigen wir euch:

Route 6 – Zur Lichtwiese und zum Ostwaldrand

Vom Botanischen Garten zum Zoo Vivarium und weiter zur Lichtwiese. Nach einem Rundgang den Wald entlang zum Böllenfalltor. Es folgt ein Abstecher nach Trautheim und dann geht es auf dem Waldkunstpfad bis zur Ludwigshöhe.

Alle Routen, nützliche Zusatzinfos und Details zu einzelnen Projekte gibt es hier:

Stadtführer „Energieeffizientes Darmstadt“

Herausgeber: Umweltamt der Wissenschaftsstadt Darmstadt, Weststadt Verlag

Der Stadtführer ist im Darmstadt-Shop auf dem Luisenplatz sowie in der RMV-Zentrale vor dem Hauptbahnhof erhältlich und kann über den Buchhandel bestellt werden.

ISBN 978-3-940179-30-2, VKP 9,95 €

Copyright:
© 2017 Weststadtverlag, Isolde Nees
Bildnachweis:
Karte: Stadtkartographie Darmstadt / Vermessungsamt
Darmstädter Jugendstilbad: Darmstadt Marketing, Agnes Allig
Mathildenhöhe Darmstadt, Darmstadt Marketing, Rüdiger Dunker

Zum Archiv