Nachhaltiges Darmstadt: eine Kolumne

22. November 2017

Nachhaltigkeit sucht Information

 

Wer sich zu Themen wie Energie, Verkehr, Klimas oder Ernährung informieren will, ist gut und schlecht beraten. Gut, weil es mittlerweile eine Unmenge an guten Informationsquellen im Feld der Nachhaltigen Entwicklung gibt. Und schlecht, weil genau darin das Problem liegt: fehlende Übersicht. Doch es gibt ein paar Fundorte, die doch herausragen.

Wie vermittelt man die Nachhaltige Entwicklung erfolgreich, also so wirksam, dass womöglich aus den Informationen neues Handeln entsteht? Dieser Frage gehen viele nach: Politiker, Unternehmer, Umweltverbände und auch Wissenschaftler wie etwa ich mit dem Forschungsprojekt „Klimageschichten“, das davon ausgeht, dass das Geschichtenerzählen, neudeutsch „Storytelling“, vielleicht neue Chancen für die Vermittlung von Klimawandel, Energiewende, Agrarreform oder Naturschutz bringen könnte – ich denke dabei an relevante, journalistische Geschichten, die leicht einsteigen, um so die schwerere Kost leichter verdaulich zu machen. Interessanter und attraktiver. Wie Klimageschichten wirken, werden wir noch erforschen; mit welchen Formen und „Narrativen“, also sinnstiftenden Erzählmustern, das gehen könnte, haben wir in den vergangenen drei Jahren zusammengetragen; erste Ergebnisse gibt es etwa hier zu lesen. Die größeren Auswertungen stehen aber noch aus.

Wichtig ist aber in der ganzen Frage der Nachhaltigkeitsinformationen und ihrer möglichen Wirkung immer der Blick auf die ganze Wahrnehmungskette: Aus einer Information wird Wissen, und daraus entsteht im besten Falle – wenn man die Absicht hat – Interesse, Erinnerung, das Weiterverfolgen und Vernetzen mit anderen Informationen hin zu einem tiefergehenden Themenbewusstsein, das man dann wiederum vielleicht im eigenen Umfeld weiterträgt. Und das einen letztlich womöglich sogar zu neuen Handlungen führt, alleine oder gemeinsam mit anderen.

Komplizierte Wirkungskette

So kompliziert ist die Wirkungskette – und neues Handeln entsteht selten durch Informationen alleine. Dazu kommen müssen andere Impulse: Gesetze und Vorgaben, wirtschaftliche Anreize oder Inspirationen aus dem eigenen Umfeld, mitunter auch sozialer Wettbewerb, das Nachahmen von Vorbildern und vieles mehr. Viel kann also schief gehen bei der Reise einer Information durch die Wahrnehmungswelt. Das ist die schlechtere, aber nötige Nachricht für alle, die hoffen, mit einer guten Geschichte, den richtigen Vorbildern, einer klugen Kampagne oder anderen einzelnen Schritten Interesse, Bewusstsein oder gar Handeln auslösen oder verändern zu können.

Die gute Nachricht ist aber die zur Information an sich: Im Feld der Nachhaltigkeit gibt es sie mittlerweile überbordend, ja fast zu viel. Das Netz ist voller grüner Themen, Ideen und Service. Und auch auf Papier gibt es Nachhaltigkeitsinformationen in rauen Mengen. Und da sind wir schon wieder beim nächsten Problem: Wo findet man zuverlässige und übersichtliche Informationen zugleich? Nicht zu viel, nicht zu wissenschaftlich und technisch. Wir Umweltjournalisten schlagen uns mit dieser Frage ja ständig rum. Und könnten daher eine lange Liste mit vielen Verweisen abgeben; gute Übersichten zu verschiedenen Bereichen haben wir etwa auf Grüner-Journalismus zusammengetragen.

 

Zehn hilfreiche Quellen

Hier aber sind meine zehn wichtigsten Onlinequellen für die alltägliche Recherche, mit kleinen Bewertungen:

Lexikon der Nachhaltigkeit: Das von der Stiftung Kathy Beys unterhaltene Online-Lexikon ist das beste im Netz – vollständig, aktuell, verständlich und vielfach verlinkt. Für alle Grundbegriffe der Nachhaltigkeit ist das die erste Anlaufstelle.

Umweltbundesamt: Für die tiefergehenden Informationen zu jedem Einzelthema ist das „UBA“ eine der besten Anlaufstellen: Hintergründe, Analysen, Studien, aber auch viele praktische Tipps sind hier zu finden.

Klimaretter.info: Das journalistische Online-Portal ist mit seiner Aktualität und vielen Details eine der führende Medienquelle zu allem rund um Energie, Klima, Konsum und Umwelt.

utopia.de: Utopia ist das führende Portal für nachhaltigen Konsum im Netz, mit viel Service, Foren, Debatten und Analysen.

wiwogreen.de: Die grünen Seiten der Wirtschaftswoche geben sehr gute Einblicke in die Welt des nachhaltigen Wirtschaftens, neuer Technologien und Unternehmensideen.

ZDF Umwelt, Planet E: Mit einer schlagkräftigen Onlineredaktion und einer großen Sendung in der Woche ist die Umweltredaktion des Zweiten führend im Fernsehfeld.

Deutschlandfunk, „Umwelt + Verbraucher“: Das Nonplusultra für die tägliche, kompakte Nachhaltigkeitsinformation, sei es live, als Podcast zum Nachhören oder auch online zum Lesen.

Nachhaltigkeitsstrategie Hessen: Aus regionaler Sicht eine der umfassenden und übergreifenden Quellen zum Thema – nachschlagen, einlesen, echter Hintergrund.

Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND): Die Rubrik der BUND-Tipps gibt verständliche und kompakte Ratschläge für ein nachhaltiges Leben, im Alltag und darüber hinaus.

Rat für Nachhaltige Entwicklung: Hier gibt es Hintergründe und Nachrichten zur Metaebene, also dazu, wie es um die Nachhaltigkeit an sich in Deutschland bestellt ist, wo wichtige Termine anstehen und wer sich landesweit mit neuen Ideen hervortut.

 

Damit müsste man in Sachen Nachhaltigkeit auf dem Laufenden bleiben. Und sich darüber hinaus – auch unabhängige von den speziellen Interessen, die man hat und bei der Recherche verfolgt – brauchbare und kompakte Informationen finden lassen.

Letztlich sind ja alle Lebensbereiche mit der Matrix einer Nachhaltigen Entwicklung verbunden. Deshalb verwende ich an der Hochschule gerne auch das Bild eines Hauses, dessen Dach und Wände die Nachhaltigkeit darstellen. Hinein kommt man durch ein großes Eingangsportal, das mit den meisten Räumen drinnen verbunden ist. Das Portal steht für den Klimawandel. Die einzelnen Themen – von Mobilität über Konsum, Energie, Landwirtschaft, Ernährung, Arten sowie Ökosysteme und vieles mehr – sind dann die Räume innerhalb des Hauses. Sie haben viele Fenster, Türen, Durchreichen und Gucklöcher, da sie alle miteinander in Verbindung stehen und letztlich das Haus und seine Wände tragen.

 

Von Prof. Dr. Torsten Schäfer

 

Schäfer FotoTorsten Schäfer ist Professor für Journalismus und Textproduktion an der Hochschule Darmstadt, wo er das Medienportal Grüner-Journalismus.de leitet. Seine Arbeitsschwerpunkte liegen neben dem Fachjournalismus (Nachaltigkeit; Umwelt- und Europathemen) im Storytelling sowie der Text- und Recherchevermittlung. Schäfer arbeitet weiter als freier Autor und Umweltjournalist. Von 2009 bis 2013 war er Redakteur der internationalen GEO-Ausgabe und zuvor Chef vom Dienst sowie Planer in der Onlineredaktion der Deutschen Welle. Er promovierte nach einem Master in European Studies an der RWTH Aachen über die EU-Berichterstattung deutscher Regionalzeitungen. Vorher absolvierte Schäfer ein Diplom-Studium der Journalistik und Politikwissenschaft an der TU Dortmund mit integriertem Zeitungsvolontariat. Er arbeitete als freier Journalist jeweils über mehrere Jahre für GEO, taz, Süddeutsche Zeitung und dpa.

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