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Magazin: da.news

Grube Messel: Mahnmal erinnert an Zwangsarbeit

UNESCO-Welterbe stärkt Erinnerungskultur und Demokratiegeschichte

Die Grube Messel richtet den Blick verstärkt auf ihre historische Vergangenheit. Wie die Verantwortlichen mitteilen, wurde am 13. April 2026 ein Mahnmal in Gedenken an die Opfer des ehemaligen Zwangsarbeitslagers eingeweiht.

Neben der Erinnerung an die rund 300 Menschen, die zwischen 1940 und 1945 unter schwersten Bedingungen arbeiten mussten, wurden zwei weitere Projekte vorgestellt: eine neue Buchpublikation sowie die Aufnahme der Grube Messel in das Netzwerk der „Orte der deutschen Demokratiegeschichte“.

Werkseinfahrt Grube Messel aus dem Jahr 1936. Foto: Archiv WGM / Brigitte Rasche
Werkseinfahrt Grube Messel aus dem Jahr 1936. Foto: Archiv WGM / Brigitte Rasche

Mahnmal als sichtbares Zeichen der Erinnerung

Das neue Mahnmal befindet sich in unmittelbarer Nähe des ehemaligen Lagers und soll dauerhaft an die Opfer erinnern. Die Einweihung erhielt besondere Bedeutung durch die Anwesenheit von Janina Sulikowska-Wichman, die 1944 im Lager geboren wurde und das Kriegsende in Messel erlebte.

Vertreter aus Politik und Wissenschaft betonten die Verantwortung, auch die schwierigen Kapitel der Geschichte sichtbar zu machen. Erinnerung sei eine wichtige Grundlage für Demokratie, Menschenrechte und gesellschaftliches Bewusstsein.

Buch dokumentiert industrielle Vergangenheit

Parallel zur Einweihung wurde das Buch „Grube, Paraffin- und Mineralölwerk Messel – Fotoexkursionen von Kurt Röhrig“ vorgestellt. Autor ist Franz-Jürgen Harms.

Die Publikation dokumentiert anhand historischer Fotografien die industrielle Nutzung der Grube vor ihrer heutigen Bedeutung als Fossilienfundstätte. Die Aufnahmen zeigen eine Phase des Übergangs nach dem Zweiten Weltkrieg und liefern Einblicke in Arbeitswelt und Strukturwandel der Region.

Ort der Demokratiegeschichte

Mit der Aufnahme in das bundesweite Netzwerk der „Orte der deutschen Demokratiegeschichte“ wird die Bedeutung der Grube Messel über die Erdgeschichte hinaus unterstrichen.

Eine wichtige Rolle spielt dabei auch das Engagement der Zivilgesellschaft: In den 1980er-Jahren verhinderte eine Bürgerinitiative die geplante Nutzung der Grube als Mülldeponie. Kurz darauf wurde sie als erstes UNESCO-Weltnaturerbe Deutschlands anerkannt.

Demonstration gegen die Mülldeponie am 17.03.1976. Foto: Archiv WGM / Lothar Wendel
Demonstration gegen die Mülldeponie am 17.03.1976. Foto: Archiv WGM / Lothar Wendel

Neue Ausstellungselemente vor Ort

Ergänzend wurden großformatige Fotografien installiert, die Besucherinnen und Besuchern die Geschichte des Ortes näherbringen. Thematisiert werden unter anderem der Nationalsozialismus, der Bergbau sowie die Bürgerproteste.

Damit erweitert die Grube Messel ihr Angebot um einen neuen Schwerpunkt zu Geschichte, Erinnerung und Demokratie.

(DARMSTADT – RED/PM)

Beitragsbild: : Historischer Bergbau 1948/49. Foto: Archiv WGM / Kurt Röhrig