Darmstadt will Schulen und Kitas besser vor Hitze schützen
Stadt entwickelt Maßnahmenpaket von Temperatur-Monitoring bis zu Verschattung, Gebäudebegrünung und Kühlung
Steigende Temperaturen und längere Hitzeperioden werden für Schulen und Kindertageseinrichtungen in Darmstadt zunehmend zum Problem. Die Wissenschaftsstadt will deshalb den Hitzeschutz in den Einrichtungen systematisch verbessern. Bürgermeisterin Barbara Akdeniz, Stadtkämmerer André Schellenberg und Bildungsdezernent Holger Klötzner haben dazu eine gemeinsame, ressortübergreifende Strategie vereinbart.
Geplant ist eine Kombination aus kurzfristig umsetzbaren Maßnahmen und langfristigen Investitionen in die Gebäude. Dazu gehören unter anderem Außenverschattungen und UV-Schutz, die mögliche Klimatisierung besonders sensibler Räume, Wärmepumpen, Dach- und Fassadenbegrünungen sowie Veränderungen der Außenanlagen.
„Die Hitzeperioden der vergangenen Jahre haben gezeigt, dass ein dringender Handlungsbedarf besteht“, erklären Akdeniz, Schellenberg und Klötzner. Hohe Temperaturen seien nicht nur ein gesundheitliches Risiko für Kinder und Beschäftigte, sondern beeinträchtigten auch Konzentration, Bildung und Betreuung. „Unser Ziel ist es, nachhaltige Verbesserungen im Hitzeschutz im Kita- und Schulalltag zu erreichen.“
Temperaturen in Schulen und Kitas werden überwacht
Grundlage für weitere Entscheidungen soll zunächst eine möglichst genaue Bestandsaufnahme sein. Die Temperaturen werden deshalb in nahezu allen städtischen Schulen und Kitas kontinuierlich überwacht. Hinzu kommen priorisierte Begehungen der Einrichtungen, bei denen Wärmequellen identifiziert werden sollen. Bei Bedarf sollen externe Ingenieurbüros hinzugezogen werden.
Erste wissenschaftliche Grundlagen gibt es bereits. Gemeinsam mit der Hochschule Darmstadt (h_da) haben Schul- und Jugendamt Schulen und Kitas untersucht und Vorschläge für mögliche Maßnahmen erarbeitet. Die Ergebnisse wurden im Juni vorgestellt.
„Ich freue mich, dass wir kluge Köpfe an der Hochschule Darmstadt finden konnten, die uns auf Basis von Zahlen, Daten und Fakten unterstützen“, sagt Klötzner.
Die beiden Untersuchungen können online abgerufen werden: Studie zu Schulen und Studie zu Kindertageseinrichtungen.
Auch richtiges Lüften und Geräte können eine Rolle spielen
Nicht alle Verbesserungen erfordern größere Baumaßnahmen. Beschäftigte in Kitas, Lehrkräfte sowie Hausmeisterinnen und Hausmeister sollen deshalb für den Umgang mit Hitze sensibilisiert und unter anderem zur Nachtauskühlung und richtigen Bedienung technischer Geräte geschult werden.
Schellenberg verweist beispielsweise auf elektronische Geräte als zusätzliche Wärmequelle: „Allein das Abschalten von Smart-Boards über Nacht und das Wochenende kann die Temperaturen in den Räumen spürbar senken.“
Besonders wichtig seien entsprechende Kenntnisse in Kindertagesstätten, betont Akdeniz. Dort arbeiten die Fachkräfte eng mit den Kindern zusammen, weshalb die Sensibilisierung für Hitze- und UV-Schutz eine besondere Bedeutung habe.
In den städtischen Kitas wurden nach Angaben der Stadt bereits zahlreiche Schattenplätze in den Außenanlagen geschaffen. Bei hohen Temperaturen werden zudem die Aufenthaltszeiten im Freien angepasst. Viele Einrichtungen verfügen über Wasserspielbereiche. Zusätzlich soll geprüft werden, ob gezielt kühle Räume oder Bereiche eingerichtet werden können.
Verschattung und Klimatisierung als kurzfristige Maßnahmen
Zu den vergleichsweise kurzfristig möglichen baulichen Veränderungen zählt die Stadt Außenverschattungen, UV-Schutzfolien und Jalousien. Sie sollen verhindern, dass sich Räume durch direkte Sonneneinstrahlung stark aufheizen.
Geprüft wird außerdem eine aktive Klimatisierung von Schlafräumen und anderen Bereichen in Kitas, in denen sich besonders schutzbedürftige Kinder aufhalten. Auch die Umstellung auf LED-Beleuchtung gehört zum Maßnahmenpaket. Diese verbraucht nicht nur weniger Strom, sondern erzeugt zugleich weniger Wärme in den Räumen.
Wärmepumpen, begrünte Fassaden und mehr Schatten
Langfristig sollen auch umfangreichere bauliche Veränderungen den Hitzeschutz verbessern. Dazu zählt die Kühlung mithilfe von Wärmepumpen. Helle oder reflektierende Dachoberflächen sollen ebenso geprüft werden wie Photovoltaikanlagen, die neben der Stromerzeugung auch zur Verringerung der Aufheizung von Gebäuden beitragen können.
Weitere Möglichkeiten sind Fenster mit Sonnenschutzverglasung und UV-Schutz, Dach- und Fassadenbegrünungen, zusätzliche Beschattung sowie die Entsiegelung von Flächen. Auch die Außenanlagen von Schulen und Kitas sollen mit Blick auf mehr Schatten und ein günstigeres Mikroklima optimiert werden.
Stadt will Investitionen nach Dringlichkeit priorisieren
Welche Maßnahmen wo umgesetzt werden, soll von der tatsächlichen Hitzebelastung, der Wirtschaftlichkeit und der technischen Machbarkeit abhängen. Dabei will die Stadt auch bereits geplante Sanierungen berücksichtigen.
Schulen oder Kitas, bei denen innerhalb der kommenden ein bis drei Jahre ohnehin eine Gesamtsanierung vorgesehen ist, sollen zunächst nicht mit größeren kurzfristigen Investitionen ausgestattet werden.
„Es geht darum, die verfügbaren Mittel dort einzusetzen, wo sie den größten Nutzen entfalten“, erklärt Schellenberg. Die Maßnahmen würden nach Dringlichkeit, Wirtschaftlichkeit und Machbarkeit gestaffelt und müssten finanziell sowie logistisch tragbar sein.
Die beteiligten Dezernate teilen sich dabei die Aufgaben: Das Sozialdezernat konzentriert sich auf personelle und organisatorische Fragen, während die baulichen, technischen und finanziellen Voraussetzungen an anderer Stelle koordiniert werden. Das Bildungsdezernat bringt insbesondere die Anforderungen der Schulen sowie die Perspektive von Lehrkräften und Schülerinnen und Schülern ein.
Messbare Verbesserungen bis Sommer 2027
Die Stadt will die Maßnahmen kontinuierlich überprüfen und gegebenenfalls anpassen. Neben den gemessenen Temperaturen sollen dabei auch Erfahrungen und Rückmeldungen von Lehrkräften, Kita-Teams sowie Hausmeisterinnen und Hausmeistern berücksichtigt werden.
Das erklärte Ziel ist ambitioniert: Bis zum Sommer 2027 sollen in allen Darmstädter Schulen und Kitas messbare Verbesserungen beim Hitzeschutz erreicht werden.
(DARMSTADT – RED/PSD/stip)
