Darmstadt gedenkt der Pogromnacht von 1938
Gedenkveranstaltung am 9. November in der Neuen Synagoge setzt Zeichen gegen Antisemitismus
Am Montag, 9. November 2026, erinnert Darmstadt an die nationalsozialistischen Novemberpogrome vor 88 Jahren. Bei einer öffentlichen Gedenkveranstaltung um 17 Uhr in der Neuen Synagoge in der Wilhelm-Glässing-Straße 26 stehen das Erinnern an die Opfer, die Verantwortung für die Verbrechen der Vergangenheit und die Solidarität mit jüdischen Menschen in der Gegenwart im Mittelpunkt.
Die Wissenschaftsstadt Darmstadt, die Jüdische Gemeinde Darmstadt und die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit laden gemeinsam dazu ein, der Ereignisse vom 9. auf den 10. November 1938 zu gedenken und ein sichtbares Zeichen gegen Antisemitismus zu setzen.
Drei Synagogen brannten in Darmstadt
Die Novemberpogrome 1938 markierten einen weiteren Höhepunkt der systematischen Verfolgung jüdischer Menschen durch das nationalsozialistische Regime.
Auch in Darmstadt kam es zu massiver Gewalt. In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 brannten drei Synagogen. Jüdische Geschäfte wurden geplündert, Wohnungen verwüstet und Menschen verfolgt.
169 jüdische Darmstädterinnen und Darmstädter wurden in das Konzentrationslager Buchenwald verschleppt.
Die Gewalt ging dabei nicht von unbekannten Tätern aus. Es waren Menschen aus der eigenen Stadt, die sich an den Verbrechen beteiligten oder diese geschehen ließen.
Das Gedenken erinnert deshalb nicht nur an die Opfer, sondern auch an die Verantwortung der damaligen Stadtgesellschaft.
Antisemitismus bleibt eine gegenwärtige Bedrohung
88 Jahre nach den Novemberpogromen ist Antisemitismus weiterhin ein gesellschaftliches Problem.
Die Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (RIAS) dokumentierte für das Jahr 2025 bundesweit 8.725 antisemitische Vorfälle. Das entspricht durchschnittlich rund 24 Vorfällen pro Tag und ist mehr als das Dreifache der für 2021 erfassten Zahl.
Auch in Darmstadt gibt es aktuelle Beispiele antisemitischer Anfeindungen. So wurde die Gedenktafel für die zerstörte Synagoge der Orthodoxen Gemeinde mit Hakenkreuzen beschmiert.
Die Veranstalter betonen deshalb, dass Antisemitismus keineswegs ein überwundenes Problem der Vergangenheit ist. Er tritt in unterschiedlichen politischen und gesellschaftlichen Milieus auf und gefährdet das demokratische Zusammenleben.
Das Erinnern an die Novemberpogrome soll daher zugleich ein Aufruf sein, Antisemitismus in der Gegenwart entschieden entgegenzutreten.
Erinnerung und Solidarität mit jüdischem Leben
Die Gedenkveranstaltung versteht sich als gemeinsamer Ausdruck der Trauer und der Verantwortung für die nationalsozialistischen Verbrechen.
Gleichzeitig soll sie die Verbundenheit mit der heutigen Jüdischen Gemeinde Darmstadt deutlich machen.
Seit 1988 hat die Gemeinde in der Neuen Synagoge wieder ein Zuhause. Sie ist ein fester Bestandteil des religiösen und gesellschaftlichen Lebens der Stadt.
Das Gedenken richtet den Blick damit nicht ausschließlich auf die Vergangenheit, sondern auch auf jüdisches Leben in der Gegenwart und dessen Schutz vor Diskriminierung und Gewalt.
Oberbürgermeister Benz und Daniel Neumann sprechen
Bei der Gedenkveranstaltung werden Oberbürgermeister Hanno Benz und Daniel Neumann, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Darmstadt, sprechen.
Darüber hinaus beteiligen sich Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eines Escape-Room-Projekts zu jüdischem Leben.
Das Projekt vermittelt Jugendlichen und Erwachsenen auf besondere Weise Einblicke in die jüdische Geschichte und Gegenwart Darmstadts. Es soll dazu beitragen, Wissen zu vermitteln, Begegnungen mit jüdischer Kultur zu ermöglichen und Vorurteilen entgegenzuwirken.
Öffentliche Gedenkveranstaltung in der Neuen Synagoge
Die Veranstaltung am 9. November steht allen Interessierten offen. Der Eintritt ist frei.
Besucherinnen und Besucher werden gebeten, einen Ausweis mitzubringen.
Die Veranstalter laden die Darmstädter Bevölkerung ausdrücklich ein, gemeinsam zu erinnern, zu trauern und Solidarität mit jüdischen Menschen zu zeigen.
Die wichtigsten Daten
Veranstaltung: Gedenken an die Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938
Anlass: 88. Jahrestag der Zerstörung der Darmstädter Synagogen
Termin: Montag, 9. November 2026
Beginn: 17 Uhr
Ort: Neue Synagoge Darmstadt
Adresse: Wilhelm-Glässing-Straße 26, Darmstadt
Eintritt: Frei
Hinweis: Besucherinnen und Besucher werden gebeten, einen Ausweis mitzubringen.
Redner: Oberbürgermeister Hanno Benz und Daniel Neumann, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Darmstadt
Weitere Mitwirkende: Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Escape-Room-Projekts zu jüdischem Leben
Veranstalter: Wissenschaftsstadt Darmstadt, Jüdische Gemeinde Darmstadt und Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit
(DARMSTADT – RED/PSD/stip)