Waldkunstpfad Darmstadt zieht rund 30.000 Besucher an
Biennale zum „Demokratischen Wald“ endet mit positiver Bilanz
Rund 30.000 Menschen haben den 13. Internationalen Waldkunstpfad in Darmstadt besucht. Nach sechs Ausstellungswochen ging die Biennale am Sonntag, 4. Oktober 2026, im Wald am Böllenfalltor zu Ende. Unter dem Leitthema „Demokratischer Wald/Democratic Forest“ hatten 42 Künstlerinnen und Künstler aus 16 Ländern mit Installationen, Performances, Musik und Theater das Verhältnis zwischen Mensch, Natur und Demokratie beleuchtet.
Kuratorin Ute Ritschel zeigte sich mit der Resonanz sehr zufrieden. Besonders erfreulich seien die zahlreichen Gespräche und Diskussionen gewesen, die das diesjährige Thema ausgelöst habe. Die Kunstwerke bleiben auch nach dem offiziellen Ende der Ausstellung zunächst im Wald erhalten.
Künstler geben dem Wald eine Stimme
Der 2,2 Kilometer lange Rundweg am Böllenfalltor verwandelte sich vom 22. August bis zum 4. Oktober in einen Ausstellungsraum unter freiem Himmel. Im Mittelpunkt stand die Frage, was Demokratie mit dem Wald zu tun hat.
Auch Kuratorin Ute Ritschel hatte sich zunächst mit dieser Frage beschäftigt. Anlass war die Beteiligung der Biennale am internationalen Aktionsjahr „World Design Capital“, dessen Leitmotiv „Design for Democracy“ den Ausgangspunkt bildete.
Ihre Antwort wurde zum Leitgedanken der Ausstellung: „Wir wollen dem Wald eine Stimme geben.“
Dabei ging es insbesondere darum, die Natur stärker wahrzunehmen, ihr Rechte einzuräumen und die Verantwortung des Menschen im Umgang mit dem Wald zu hinterfragen.
Von der Waldkanzel bis zum Parlament der Bäume
Die Künstlerinnen und Künstler näherten sich dem Thema auf unterschiedliche Weise. Der Niederländer Fredie Beckmans schuf mit seiner „Waldkanzel“ einen Ort, der an die berühmte Speaker’s Corner im Londoner Hyde Park erinnert.
Die Italienerin Emanuela Camacci gestaltete mit ihrer „Space Time Capsula“ einen Rückzugsort zur stillen Beobachtung der Natur. Der Schweizer Roger Rigorth entwickelte ein „Parlament der Bäume“, während die kanadische Künstlerin Devora Neumark mit „Letters to the Forest“ einen weiteren Zugang zum Thema eröffnete.
Auch spielerische und experimentelle Arbeiten waren vertreten. Jens J. Meyer installierte eine „Antenne für Inspiration“, die den Waldbesuchern gute Gedanken vermitteln soll. Waltraud Munz-Heiliger lud mit ihrem „Waldbaum Mikado“ zum gemeinsamen Spiel ein.
Gesellschaftliche Fragen griff Uli Muders mit seiner Arbeit „Hidden Stories“ auf. Auf Fahnen gedruckte Motive beschäftigten sich unter anderem mit Zuflucht und Ernährung. Weitere Werke waren der gestickte „Naturdom“ von Dina Rautenberg, „Tree of Life“ von Varol Topac und „Arch to Democratic Forest“ von Rumen Dimitrov.
15 öffentliche Führungen und zahlreiche Diskussionen
Während der Ausstellungswochen fanden 15 öffentliche Führungen statt. Dabei konnten sich die Besucherinnen und Besucher mit den Kunstwerken und ihren Hintergründen auseinandersetzen.
„Mit rund 30.000 Gästen aus der Region und darüber hinaus war auch der 13. Internationale Waldkunstpfad wieder ein voller Erfolg“, erklärte Ute Ritschel.
Besonders wichtig waren der Kuratorin die Diskussionen über das Verhältnis von Demokratie und Natur. „Hier geht es um die Verflechtung von Mensch und Natur, Kunst und Wald“, betonte sie.
Die diesjährige Biennale stand unter der Schirmherrschaft von Darmstadts Oberbürgermeister Hanno Benz.
Waldkunst auch an der Grube Messel
Der Internationale Waldkunstpfad beschränkt sich inzwischen nicht mehr auf seinen ursprünglichen Standort am Böllenfalltor. Im Laufe seiner 24-jährigen Geschichte sind weitere Ausstellungsorte hinzugekommen.
Auch 2026 wurde die Zusammenarbeit mit dem UNESCO-Welterbe Grube Messel und dem UNESCO Global Geopark Bergstraße-Odenwald fortgesetzt. Auf dem Freigelände der Ausgrabungsstätte entstanden drei neue Kunstprojekte unter dem Leitthema „Kunst, Wald, Fossil“.
Ein weiterer Standort war das Internationale Waldkunstzentrum (IWZ) in der Ludwigshöhstraße 137. Dort wurde der dritte „Digitale Wald“ präsentiert.
Den Abschluss des begleitenden Programms bildete die elfte Internationale Waldkunstkonferenz in der Schader-Stiftung. Künstlerinnen und Künstler, Fachleute sowie Wissenschaftler tauschten sich dort über die Themen der Biennale aus.
Insgesamt 40 neue Kunstprojekte
Bereits im vergangenen Jahr waren Kunstschaffende aufgerufen worden, Projektideen für den 13. Internationalen Waldkunstpfad einzureichen. Rund 50 Künstlerinnen und Künstler beteiligten sich an diesem Aufruf.
Ihre Vorschläge wurden im „Democratic Forest Reader“ dokumentiert, der als Broschüre im Internationalen Waldkunstzentrum erhältlich ist und auch online eingesehen werden kann.
Etwa 30 der eingereichten Projektideen wurden verwirklicht. Zusammen mit weiteren Arbeiten entstanden insgesamt 40 Kunstprojekte. Darunter waren 20 feste Installationen sowie 20 zeitlich begrenzte Aktionen und Performances.
Kunstwerke bleiben weiterhin zu sehen
Auch nach dem Ende der Biennale lohnt sich ein Besuch des Waldkunstpfades. Die Kunstwerke bleiben zumindest vorerst erhalten und können weiterhin auf eigene Faust entdeckt werden.
Die öffentlichen Führungen sind mit dem Ende der Ausstellung ausgelaufen. Private Führungen können jedoch weiterhin über das Internationale Waldkunstzentrum gebucht werden.
Am Hauptstandort Böllenfalltor befinden sich derzeit 42 feste Kunstwerke aus früheren Waldkunstjahren sowie 20 neue Arbeiten. Weitere elf Kunstwerke sind an der Grube Messel zu finden, vier Installationen am Modaukunstpfad in Darmstadt-Eberstadt und 15 Arbeiten im Internationalen Waldkunstzentrum.
Nach Angaben des veranstaltenden Vereins für Internationale Waldkunst besuchen jährlich rund 130.000 bis 150.000 Menschen die verschiedenen Waldkunststandorte.
Seit Beginn der Aktivitäten haben 238 Künstlerinnen und Künstler aus 47 Ländern insgesamt 411 Kunstwerke für Waldkunstpfade geschaffen – nicht nur in Darmstadt, sondern auch in den USA, China, Afrika und Österreich.
Die wichtigsten Informationen
Was: 13. Internationaler Waldkunstpfad Darmstadt
Ausstellungszeitraum: 22. August bis 4. Oktober 2026
Leitthema: „Demokratischer Wald/Democratic Forest“
Besucherzahl: rund 30.000
Beteiligte: 42 Künstlerinnen und Künstler aus 16 Ländern
Hauptstandort: Wald am Böllenfalltor, Darmstadt
Weitere Standorte: Grube Messel, Internationales Waldkunstzentrum und Modaukunstpfad
Besichtigung: Kunstwerke bleiben vorerst erhalten und sind weiterhin zugänglich
Führungen: Private Führungen über das Internationale Waldkunstzentrum buchbar
Veranstalter: Verein für Internationale Waldkunst e. V.
Weitere Informationen: www.waldkunst.com
(DARMSTADT – RED/WK)